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Peter Zaumseil
"Strichmännchen" Holzschnitte
01.12.2001 - 31.01.2002
Der Holzschnitt ist eine Nische, auf die sich einige Künstler spezialisiert haben, weit entfernt von modernen Kunstrichtungen von den jungen Wilden über die Concept Art zur Postmoderne. Ihnen ist nicht mehr die Reproduzierbarkeit wichtig – schließlich wurde der Holzschnitt im 14. Jahr-hundert zum Vervielfältigen von Heiligenbildern in Europa eingeführt und zur Zeit der Reformation diente er der Herstellung von agitatorischen Plakaten. Die Expressionisten waren es Anfang des 20. Jahrhunderts, die den Holzschnitt als Medium ihres Ausdruckwillens neu entdeckten. Dresden wurde zur neuen Heimat des Holzschnitts mit Ernst Ludwig Kirchner und seinen Brücke-Freunden. Die groben Schnitte, die scharfen Konturen, die starke Abstraktion ließen Menschen und Landschaften in aufrüttelnder Tragik und eindruckvoller Klarheit entstehen.
Der deutsche Expressionismus begegnet uns auf Schritt und Tritt, nicht nur im Holzschnitt, der hier nach wie vor blüht, während er bei uns zu einer Spezialität von Max Grieshabers geschrumpft ist. Leipzig mit seiner Hochschule für Grafik und Buchkunst war richtungweisend und kann auch heute auf besonders viele Holzschneider blicken: Wolfram Ebersbach, Karl Georg Hirsch, Rolf Kuhrt, Michael Müller und Frank Wahle. Peter Zaumseil, erfuhr seine künstlerische Ausbildung (Spezialschule Malerei/Grafik in Rudolfstadt) und Entwicklung in der ehemaligen DDR. Seine Anregungen holte er sich in Leipzig bei den dortigen Holzschneidern. Ihm kommt die Technik sehr entgegen. Hier findet er die Reduktion der Form, die ihm die Malerei in dieser Weise nicht bietet, die Klarheit der Geste, die Stilisierung und witzige Übertreibung bis zur Karikatur. Körpersprache, Körpergeste ist sein inhaltliches Thema. Dabei greift auch er auf Formen, "primitiver" Kulturen zurück, wie die berühmten Vorgänger um die Jahrhundertwende, etwa Paul Gauguin, dessen erste Reise nach Tahiti den Ausschlag gab für gewollt vereinfachte Holzschnitte.
Peter Zaumseil experimentiert viel, hat noch viel vor, sprüht vor Schaffenskraft. Kleine farbige Bilder dienen ihm als Skizzen für die großen Holzschnitte, weich, malerisch, begehrenswert, Aphorismen, dem Augenblick entsprungen. Die Ausführung als Holzschnitt bedeutet dann Reduktion, Abstraktion, Präzisierung, eine andere Bedeutungsebene wird durch die Größe, die intensive Arbeit erreicht. Das autonome Holzschnittbild entsteht. Zaumseil bleibt in seiner Arbeit kommunikativ. Sehr gern arbeitet er mit anderen Künstlern zusammen, wie beim gemeinsamen Druck von Künstlerbüchern, aber genauso vermag er seine Persönlichkeit so stark in seine Arbeiten einzubringen, dass der Betrachter hinter der Kunst den Künstler sucht. Die Sicherheit, Hemdsärmeligkeit, ja Unverfrorenheit, mit der hier ein relativ junger Künstler eine uralte Technik für sich entdeckt hat und diese gleichgültig gegenüber der Kunstgeschichte und aktueller Kunstströmungen voller Ideen und mit größtem Vergnügen bearbeitet, lässt beim Betrachter Neugierde aufkommen. Einfache Piktogramme, bekannte Gesten, klare Kompositionen, sichere Farbführung, uralte Erfahrungen, die schon in steinzeitlichen Höhlen gesammelt wurden, treten uns in modernen Alurahmen mit einem Lächeln entgegen. Und für dieses Lächeln sind wir Peter Zaumseil dankbar und lieben seine ruppigen Strichmännchen.
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