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Gertrude Reum
"Alles ist im Flusse". Metallbildnerei
01.12.2000 - 31.01.2001
Kraft und spannende Dynamik strahlen sie aus, die beeindruckenden Werke von Gertrude Reum. Sie ist Malerin und Objektgestalterin zugleich, Metallbildnerin könnte man sagen. Künstlerin also, eine die sich ihre Werkstoffe wählt, ganz frei, je nach zu bewältigender Aufgabe.
Die 1926 in Saarbrücken geborene und heute in Buchen lebende und arbeitende Gertrude Reum wurde bereits vor über zwanzig Jahren von dem Kunstmäzen Reinhold Würth aus Künzelsau entdeckt. Der vielzitierte Satz des Heraklit von Ephesus, "Alles ist im Flusse", kann für die Arbeiten von Gertrude Reum in besonderem Maße gelten.
Unerschöpflich scheint ihr Repertoire an neuen Ideen und Einfällen, die sie in nimmermüden Arbeitseifer umsetzt. Dadurch kann sie auf ein sehr fruchtbares Schaffen zurückblicken, das von einer regen Ausstellungstätigkeit begleitet ist.
Ihre Arbeitsthemen wie Schöpfung, Kosmos und die sich darin befindlichen Phänomene wie Licht, Zeit, Bewegung und Raum fordern immer neu überlegte und ausgearbeitete Gestaltungsformen. Reums Formensprache ist soweit reduziert, dass ihre Werke, obwohl sich immer wieder gegenständliche Assoziationen einstellen, nie abbildhaft sind. Natureindrücke können zwar Voraussetzung sein, werden jedoch in einem künstlerischen Prozess zu einer vom Gegenstand unabhängigen Vision transformiert.
Dies trifft in erster Linie auf die in den achtziger Jahren entstandenen Zellstoffarbeiten zu, die eine zerklüftete und nach innen aufgespaltene Oberfläche dem Betrachter entgegenrecken und seine Neugier quasi in das Werk hineinziehen. Hier platzen, reißen und klaffen tote Oberflächen auf, um vermutbare Verläufe oder blaue Ozeane offen zu legen. Naturgemäß zurückhaltender, doch ebenso menschenleer, präsentieren sich Aquarelle heimgesuchter, zerstörter Landschaften, "Horizonte". In ihren Werkgruppen "Verschlingen, Überschneidungen, Faltungen, Aufbrüche und Ströme" macht sie Energien anschaulich. Vor allem ihre aufwendigen Metallarbeiten aus Stahl, Messing und Aluminium offenbaren eine erstaunliche Kraft, deren Fluss sogar lebendig erscheint, wenn der Betrachter den Standpunkt wechselt. Schlangen oder wellenartige Formen finden sich auf den vielen Metallarbeiten von Gertrude Reum. Wie gebündelte, sich kreuzende Lichtspuren ziehen sie sich durch die ausgestellten Objekte. Die sich umschlingenden Bahnen erreichen durch Schliff, Ätzung und Brennlackierung nahezu die Plastizität von Hologrammen.
Vor der FabrikGalerie sowie im Eingangsbereich schlängeln sich je sechs Chromnickelstahl-Rohre in die Höhe. Sie greifen ineinander als "aufstrebende Kräfte," erinnern an naturhafte Formen und entwickeln, je nach Standort der Betrachter und wechselndem Lichteinfall, ein faszinierendes Eigenleben. Besonders bei Sonnenlicht strahlt die Skulptur wie eine Lichtquelle mit eigener Energie. Hier, wie bei den meisten Objekten, besticht die kühle Ästhetik des verwandten Materials. Die Art des Materials sei ihre größte Herausforderung, bekennt die Künstlerin. Oberflächliches Betrachten, eiliges Durchschreiten, flüchtige Blicke lohnen hier kaum. Nur wer sich mit den einzelnen Werken auseinandersetzt, wer sich Zeit nimmt, wer Kontakt zu den Objekten herstellt, wer ihrem Verlauf folgt, ihrer Struktur, der kann der spannenden Mysteriensuche von Getrude Reum folgen.
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